Google kauft Meebo für 100 Millionen Dollar, Prinzip Acqhire hat Hochkonjunktur

Jürgen Vielmeier


Acqhire heißt das Wundermittel, von dem man zuletzt immer häufiger liest, ein Kunstwort aus acquire (erwerben) und hire (anstellen). Dir gefällt eine Technik, du hast nicht das Personal, sie selbst herzustellen, aber viel Kohle auf dem Konto. Dann kaufe einfach das Unternehmen, behalte die besten Leute – und schmeiß den Rest raus.

Gesagt getan: Google hat gestern Meebo übernommen, ein Webunternehmen, das einst als Instant Messenger, zuletzt als Werbenetzwerk und einer eigenen Statusleiste bekannt geworden ist. Noch am gleichen Tag entließ das Unternehmen mit Hauptsitz in Mountain View 90 Prozent der Belegschaft in seinem New Yorker Büro. Dort arbeitete hauptsächlich Personal für Vertrieb und Marketing. Google war daran offenbar nicht interessiert.

Es geht um die Entwickler

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Die Meebo-Technik soll dafür in Google+ integriert werden, das Social Network des Internetriesen. Übernommen werden die Techniker und Entwickler, an denen im Silicon Valley offenbar ein Fachkräftemangel besteht. Laut All Things Digital ist Google das 100 Millionen US-Dollar wert. Wie viele der rund 200 Mitarbeiter jetzt übernommen werden und wie viele ihren Arbeitsplatz räumen müssen, ist leider nicht bekannt. 100 Millionen für ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern klingt zwar nicht ganz realitätsfremd, trotzdem aber nach einer Menge Geld, wenn es maßgeblich um die Entwickler ging.

Wohl unter den gleichen Voraussetzungen kaufte Facebook in den vergangenen Monaten etwa den Location-Dienst Gowalla, den Freundefinder Glancee und den Geschenkeanbieter Karma. Google kaufte DailyDeal aus ähnlichen Gründen, Apple dafür etwa die App-Suchmaschine Chomp, um nur einige Beispiele zu nennen.

Noch werden Unsummen für Entwickler bezahlt. Aber lange dürfte dieses Spiel nicht mehr weiter gehen. Facebooks missratener Börsengang hat die Stimmung in der Branche merklich abgekühlt. Die Aktien mehrerer Webunternehmen sind im Sinkflug, Investorenkapital sitzt künftig weniger locker. Ein Startup ohne Geschäftsmodell aus dem Boden zu stampfen und dafür massig Geld einzuheimsen, dürfte künftig schwerer werden. Entwickler könnten sich also wieder verstärkt nach festen Jobs umsehen und Acqhire dürfte dann wieder seltener – oder zumindest billiger – werden.

(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.